Ergebnisse einer Anwendungsbeobachtung
Eradikation des Helicobacter pylori bei älteren Patienten im Landkreis Starnberg
D. Haitz, H. Eisenlohr, H. Lydtin, Gastroenterologie Klinikum Starnberg K-G Eckert, Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie, LMU MünchenDas gramnegative Bakterium Helicobacter pylori wird heute als Hauptverursacher der bakteriell-infektiösen Gastritis (B-Gastritis) verstanden. Mehr als 90 % der Patienten mit Ulcus duodeni und über 80 % der Patienten mit Ulcus ventriculi sind mit Helicobacter pylori infiziert.
Problemstellung
Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) soll eine optimale Helicobacter pylori-Therapie folgende Kriterien erfüllen:
- Eradikationsrate über 90 %
- wenig Nebenwirkungen
- einfache Einnahmevorschriften
- Behandlungsdauer von sieben bis höchstens zehn Tagen
- keine wesentliche Rolle der primären und sekundären Resistenzen im Hinblick auf die therapeutische Effizienz
- kostengünstige Medikamente
Inwieweit diese Kriterien für eine Helicobacter pylori-Therapie bei älteren Patienten (über 60 Jahre und in stationärer Behandlung) erfüllt werden können, wurde prospektiv bei 110 Patienten (66 Frauen und 44 Männer) im Alter von 60 bis 91 Jahren (Mittelwert: 76,7 Jahre) überprüft.
Durchführung
Die Patienten erhielten oral zur Eradikationsbehandlung eine siebentägige Therapie aus 2 x 20 mg Omeprazol, 2 x 400 mg Metronidazol und 2 x 1000 mg Amoxicillin. Frühestens vier Wochen nach abgeschlossener Eradikationstherapie bzw. säuresekretionshemmender Nachbehandlung fand eine erste Kontrollmessung des Helicobacter pylori-Status statt. Zur Verifizierung der Ergebnisse der ersten Kontrollmessung wurde ein Jahr nach Eradikationstherapie eine zweite Kontrollmessung durchgeführt. Ein Patient wurde als erfolgreich eradiziert gewertet, wenn sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Kontrollmessung, soweit durchgeführt, keine Helicobacter pylori-Infektion mehr nachweisbar war.
Ergebnisse
Nach statistischer Auswertung ergaben sich folgende Eradikationsraten:
Eradikationsraten
ITT = Intention-To-Treat-Analyse (Grundlage: alle behandelten Patienten)
APT = All-Patients-Treated-Analyse (Grundlage: alle Patienten mit Kontrollergebnissen)
PP = Per-Protokoll-Analyse (Grundlage: alle Patienten mit guter Compliance)
95%-KI = 95 %-Konfidenzintervall
Der hohe Eradikationserfolg von 92,7 % (APT-Analyse) wurde hauptsächlich auf das gute Einnahmeverhalten der Patienten zurückgeführt. Die Compliance wurde durch die Verträglichkeit der Helicobacter pylori-Therapie und die Überwachung der Medikamenteneinnahme unter stationären Bedingungen wesentlich beeinflußt, die wegen der oft hohen Anzahl notwendiger Begleitmedikamente und dem hohen Alter der Patienten wichtige Kriterien für den Erfolg der Therapie darstellen. Bei 4 von 8 nicht eradizierten Patienten wurde der Mißerfolg auf eine mangelnde Compliance zurückgeführt; bei weiteren 4 Patienten wurde eine Resistenz des Helicobacter pylori gegenüber Metronidazol angenommen. Alle nicht eradizierten Patienten nahmen nichtsteroidale Antirheumatika bzw. Acetylsalicylsäure als Thrombozytenaggregationshemmer ein. Unter den diagnostischen Verfahren (Helicobacter-Urease-Schnelltest, histologische Färbemethode, 13C-Harnstoff-Atemtest) zur Bestimmung des Helicobacter pylori-Status wich der 13C-Harnstoff-Atemtest nur in 6 % der Fälle von den anderen zwei Testverfahren ab und war somit die sensitivste Methode. Im klinischen Routinebetrieb erwies sich dieser Test zudem als einfach und patientenfreundlich anwendbar. Im Hinblick auf die Therapiekosten fällt der Vergleich mit anderen Eradikationsverfahren im ambulanten und stationären Bereich zugunsten des Schemas mit Amoxicillin-Metronidazol-Omeprazol aus.
Fazit
Dieses Schema stellt somit eine effektive, einfache und kostengünstige Therapie dar, mit dem bei Patienten über 60 Jahren im Landkreis Starnberg ein hoher Eradikationserfolg bei geringer Nebenwirkungsrate erzielt wurde. Damit erfüllte dieses Therapieschema in hohem Maße die Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten für eine Eradikationsbehandlung bei älteren Patienten.
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